Die Situation

Alles begann mit Zeitschriften: Criticón, Phönix, Klüter Blätter, Deutsche Monatshefte, Mut, Blätter der Gildenschaft, Neues Forum, The Scorpion, Wir selbst, Neue Anthropologie, Epoche, Nation Europa, Scheidewege, Antäus, Deutschland-Magazin, Diorama, Eléments, Tekos, Vouloir und vieles mehr. Es gab Mitte der achtziger Jahre Schüler, Auszubildende, Studenten, junge Berufstätige, die das alles lasen und in sich aufnahmen. Man traf sich zu Gesprächsrunden, ging zu Vorträgen, fuhr gemeinsam auf Tagungen, gründete Leserkreise, ging zusammen auf Fahrten. Hier war man Mitglied, dort bloß Sympathisant, gehörte einer Burschenschaft, einer Gilde, der BdV-Jugend an, stieß zum Freundeskreis des Franz-Josef Strauß, geriet unter die Deutschen Konservativen, wollte mit der neuen Hoffnung, Franz Schönhubers Republikanern, die Parlamente aufmischen, die Wiedervereinigung voranbringen. Man war gegen die alliierten Besatzungstruppen, wollte gegen ihre Atomwaffen in Deutschland protestieren, trat dafür ein, die Einwanderung zu kontrollieren, stellte die Frage der staatlichen Souveränität, kritisierte die etablierte Geschichts- und Erinnerungspolitik, thematisierte die völkerrechtswidrige Wegnahme deutscher Siedlungsräume im Osten bzw. Böhmen, warf die geopolitische Fragwürdigkeit eines Europa auf, das sich zwischen raumfremden Flügelmächten aus Ost und West der tödlichen Bedrohung eines atomaren Krieges ausgesetzt sah, dessen Schauplatz Deutschland sein würde.

Der Aufbruch

Ungeachtet dessen, daß die oben genannten Periodika und Zirkel eine nationalpolitisch notwendige Agenda behandelten, wurde vor allem im jüngeren Teil ihrer Leserschaft ein Unbehagen an der Art und Weise spürbar, auf welche Weise dies geschah. In Sprache, Stil und Akzentsetzung wurde mehr und mehr eine generationenbedingte Distanz sichtbar. Diese Kluft führte dazu, daß die Jüngeren sich eigene Wege der Artikulation zu suchen begannen. So auch im Köln-Bonner Raum u.a. im Roonstraßen-Zirkel, einem Jugendklub, der institutionell nirgends angebunden war und regen Zuspruch fand. Aus den Reihen des Gesamtdeutschen Studentenbundes (GDS) wie auch des Nationaldemokratischen Hochschulbundes (NHB) fand sich ein „Robert-Michels-Kreis“ zusammen, benannt nach dem aus Köln stammenden Mitbegründer der deutschen Soziologie um 1900. Längst ist der Vortragsraum im Kellergewölbe Legende geworden; eingeladen wurden  nonkonforme Köpfe aus dem akademischen Bereich wie Maschke, Sander, Oberlercher, Arndt, Rüddenklau, Willms, Kiessling, Gröpper, Steuckers e tutti quanti. Hatte sich die Corona die Köpfe heiß geredet, sorgte der inside nur „General“ genannte vormalige NHB-Chef Rainer V. dafür, daß leere Kästen durch volle ersetzt wurden. Die enge Treppe hinauf, ebenerdig, ging die Debatte an der rustikalen Bar weiter, mitunter bis der Morgen graute, markiger Gesang erscholl, Gemütlichkeit griff um sich. Und an einem dieser Zusammenkünfte muß es sich zugetragen haben, war es an der Bar, zwischen Wodka und Gin, war es am Pissoir, daß die Idee geboren wurde, selbst eine Zeitschrift herauszubringen. Und anderntags schon sagte der unvergessene Günter Gussmann aus Rodenkirchen den Neuerern seine volle Unterstützung zu, kannten ein großer Teil der Aktivisten sich doch von dessen Kulturreisen, die er mit seinem „Volksbund deutscher Ring“ organisierte.

Das Umfeld

Was es zur Mitte der 80er Jahre vor Ort bereits gab, war die „GDS Information“, für die Peter B. verantwortlich zeichnete; er hatte in der Schülerpresse-Bewegung bereits Erfahrungen gesammelt und brachte Ende 1986 eine bemerkenswert professionelle Ausgabe heraus: ein Gespräch mit dem CDU-Dissidenten Dr. Friedmann („Wiedervereinigung statt Raketenrüstung“), einen Beitrag des SDS-Chefideologen Dr. Oberlerchers „Die nationale Frage aus marxistischer Sicht“ und substanzielle Argumente für eine gesamtdeutsche Politik der Neutralisierung; solche Inhalte waren dazu angetan, die etablierte rechtskonservative Szene zu irritieren. Eine nicht unwesentliche Rolle für die Positionsbildung jener Jahre spielte die Kooperation des GDS mit der Münchner Burschenschaft Danubia; gemeinsam veranstaltete man die „Bogenhausener Gespräche“, bei denen sich Gelegenheit bot, ein Wochenende lang mit den meist professoralen Referenten zu diskutieren; vor allem galt dies für die versierten Federn der Zeitschrift „Criticón“, von denen viel zu lernen war, an der Spitze Baron von Schrenck-Notzing und Armin Mohler, die einige junge Federn bereits unter die Fittiche ihres Blattes genommen hatten. Nicht weniger ertragreich war die Tagungsreihe „Marburger Diskurs“, zu der man sich zweimal jährlich auf dem Haus der Burschenschaft Germania zusammenfand. In deren Sitzungssaal fand im Jahr 1988 jenes legendenumwobene Gründungs-Plenum statt, auf dem GDS-Chef Peter B. als treibende Kraft der kommenden Redaktion in Erscheinung trat. Er verlangte dem Skribentenkreis der zu gründenden Zeitschrift feste Zusagen ab; dies betraf eine mehrfach zu erbringende finanzielle Anschubleistung, termingenau abzuliefernde Beiträge, genaue Themenabsprache zunächst für die drei Ausgaben des ersten Jahrgangs, gemeinsame Auswahl und gerechte Aufteilung der Besprechungsaufträge, zentrale Steuerung und Kontrolle der Anforderung von Gratis-Buchexemplaren sowie die terminliche Festlegung von Herstellung und Versand; zudem mußten möglichst kostengünstige Angebote eingeholt werden hinsichtlich Druck und Weiterverarbeitung. Überdies sollte ein jeder sich aufgerufen fühlen, aus ihm bekannten Kreisen gleichsam externe Federn einzuladen, für die Neugründung geeignete Beiträge einzusenden Und last not least mußte das Kind einen Namen bekommen, keineswegs die leichteste aller Entscheidungen.

Die Gründung

Teilnehmer dieses denkwürdigen Plenums waren: Peter B., Christian H., Yvonne O., Karlheinz W., Hans-Christof K., Andreas R., Karl-Eckhart H., Manfred L., Ulrich M., Markus Z., Peter J. und Heinz-Theo H.; ein weiteres Abstimmungstreffen erfolgte in Bonn just bei Kanzler Kohls Lieblings-Italiener, bei Pizza, Insalada mista und Vino rosso wurden weitere Pflöcke eingeschlagen: Format DIN A 5, ca. achtzig Seiten Textumfang, Umschlag kartoniert, Klebebindung, schwarz/weiß. Unvergeßlich allen Beteiligten die sanfte Kontroverse zwischen T.H. und K.W.; sie endete mit einer vorzüglichen Nachspeise (Zabaione!) und der verzweifelten rhetorischen Frage W.s: „Woher bloß dieser Haß auf die Bundesrepublik?“ Der wichtigste Ertrag der Caminetto-Sitzung aber war die Namensfindung: viele teils skurril anmutende Namen kursierten, bis schließlich Peter B. den Stein der Weisen fand: „Etappe! Wie wär’s damit? Ganz einfach — Etappe?!“ Und es blieb dabei — nicht Front, Fackel, Stoßtrupp, Garde, Hammer, Blitz, Flamme, Sieg oder Adler — ETAPPE sollte das Ding heißen, ganz schlicht: ETAPPE. Zudem würde es damit garantiert keinen urheberrechtlichen Ärger geben.

Im Sommer 1988 waren schließlich alle Beiträge für die erste Ausgabe beisammen; in Peter B.s Bonner Bleibe liefen die organisatorischen Fäden zusammen; der Satz wurde in Göttingen erstellt, von Christian H., dem ersten und einzigen Computer-Kenner der Runde; der Drucker und Binder saß in Koblenz und im Handumdrehen lag unser Tausenddruck im Kofferraum. Das Adressenmaterial kam von GDS, VDR, vom rfs, von diesem und von jenem, man besorgte Stempel, Versandtaschen, Briefmarken und Bier, Freiwillige trafen sich in der gemeinsamen Wohnung von Peter B. und Yvonne O. zwecks erstmaliger Auslieferung, im Frühsommer 1988 ging die erste ETAPPE hinaus ins Publikum. Erste Reaktionen erschienen in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, TAZ, Criticón, Nation Europa, Junge Freiheit und Vouloir.