Die Proto-ETAPPE namens MUMM

Ein Gast der Roonstrasse war in Verbindung mit der Bonner rfs-Gruppe daran gegangen, für den Kreis aller an besagter Neugründung Interessierten eine Art Proto-Blatt zu produzieren; simpelst hergestellt auf dem Kopierer, einige zwanzig Seiten Umfang, von Hand geheftet, ab und an erscheinend, in loser Folge. Dieser Vorhut verpaßte er den Namen MUMM, womöglich die Zeitschrift Mut parodierend, deren hochglanzbebilderten Pennäler-Konservativismus ihm wenig imponierte. Im Folgenden wird ein kleine MUMM-Auswahl geboten; Zweck des Blättgens war es, die Kommunikation der inneren Linie zu optimieren.

 

Der Verein

Der rechtliche Rahmen war und ist wichtig im Sinne von grundlegend. Am 28. Februar 1988 traf sich der innere Kreis, leibhaftig, wie es in der vordigitalen on-line-losen Ära der Brauch war. Man erarbeitete ein »Redaktions-Statut«, beschloß die Gründung eines Träger-Vereins mit den Mitgliedern: Boßdorf, Weißmann, Kraus, Raithel, John, Homann, Mutz, Mengele, Heintze, Heck, Harten, Hahn, Elsner und Libner; weiters einigte man sich auf die Eröffnung eines Giro-Kontos und den Druck von ETAPPE-Visiten-Kärtchen, auch die Beantragung eines Postfachs wurde auf den Weg gebracht.

Besonders wichtig war die Erlangung einer ISSN; da die DDR der BRD noch nicht beigetreten war, galt es diese Kennziffer in Frankfurt am Main zu beantragen;  das »Nationale ISDS-Zentrum der Deutschen Bibliothek« teilte der ETAPPE in Gestalt von Bibliothekars-Amtmännin Hildegard Neu am 19.7.1988 die internationale Kennziffer 0934-7739 zu.

Die Gestaltung

Etappe01Der Umschlag der ersten Ausgabe zeigt unter dem Schriftzug »Erste ETAPPE« einen fensterartigen Kasten; darin gewahrt der Betrachter die rechte Gesichthälfte des französischen Pionier-Offiziers, Mathematikers und Philosophen René Des Cartes (Cartesius, 1596–1648), Barttracht und Kleidung im Stil seiner Zeit, sein kühl wissendes Auge mustert uns eindringlich. Diese Ensemble wurde dauerhaft das Logo der Zeitschrift, lediglich der Schriftzug wurde ab der fünfzehnten Ausgabe ein wenig verschlankt. Die Motive in besagtem Fenster wurden in der Folge der Ausgaben ebenso variabel gestaltet wie die jeweils links daneben erscheinene Textzeile und die Rückseite des Umschlags. Eine feste Größe waren und sind kurze Texte, die ETAPPE für so bedeutsam erachtet, daß sie votivtafelartig in hohem Schriftgrad auf den Innenseiten des Umschlags  geboten werden. Viele Ausgaben eröffnete ein thematisch variables »Editorial«, ehe mit der Vierzehnten ETAPPE ein Berliner Beiträger seine Kolumne »GermanCall – Adnoten aus der Hauptstadt« begann und bis dato fortführt. Der Titel ist einer Bezeichnung der deutschen Post entlehnt, die als Telekom ihre Gebührenklassifikation anglifizierte; die in ETAPPE verwendete Benennung bezieht sich auf Gespräche, die innerhalb der Bundesrepublik Deutschland geführt und entsprechend abgerechnet werden.

Das Brot der frühen Jahre